Marke Eigenbau

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In der Ausstellung wurden diese Exponate so erläutert:

1981 entstand der grundsätzliche Entwurf dieses Computers. Ausschlaggebend war, dass ich einen Prozessorschaltkreis U880 (DDR-Variante des Z 80) bekommen konnte. Die Idee war eine auf lange Sicht flexible Grundkonzeption, ein Gefäßsystem, das den weiteren Ausbau je nach hinzukommenden Baugruppen ermöglicht. Hierzu eigneten sich gut die bei der Verschrottung eines R 300 angefallenen Rahmenteile... Daraus ergab sich auch das Rastermaß für die Leiterplatten (120 * 180 mm²) mit 48 Steckkontakten pro Platine. Der Systembus ist in Wickeltechnik ausgeführt und damit für jeden Steckplatz individuell gestaltbar. Die Leiterplatten (außer statischer RAM) sowie die Schaltung sind selbst entworfen und gefertigt (kein Nachbau), natürlich unter Nutzung aller zugänglichen Literatur. Besonders aufwendig war auch der Bau des Netzteils - der Netztrafo musste sekundärseitig speziell von Hand gewickelt werden.

Zunächst bestand der Rechner nur aus der Prozessorplatine, der Adress-Dekoder-Platine, einer verfügbaren Steckeinheit mit statischem RAM, dem Netzteil, der BUS Anzeige und der dualen BUS-Tastatur. In dieser Minimalkonfiguration war es möglich über dieseTastatur direkt in den RAM zu schreiben und so erste Programme in Maschinencode zu testen. Hierzu ist es möglich den Rechner im Schrittbetrieb zu starten und über die BUS-Anzeige die Abarbeitung des Programms zu verfolgen. "Adressenvergleichsstopp" ist ebenfalls über die BUS-Tastatur möglich. Diese heute nicht mehr geläufigen Schritte waren notwendig,, weil dieser Rechner ja absolut bei Null begann und zunächst erst mal das BIOS und ein Betriebssystem programmiert und eingegeben werden mußten. Eine weitere Besonderheit ist die Schlafkorbfunktion des RAM: im ausgeschlafenen Zustand wird der RAM über ein zweites "kleineres Netzteil mit Schlafspannung" versorgt, so daß sein Inhalt erhalten bleibt.Der Rechner durfte, sollte der Speicherinhalt erhalten bleiben, nicht vom Stromnetz getrennt werden.

Rückschläge: Ein Stromausfall machte 4 Wochen Programmarbeit zunichte.

Nächste Schritte waren die Platinen mit PIO's und CTC's sowie der EPROM- Programmieranschluss. Um EPROM's löschen zu können, war eine UV-Lampe nötig. Dazu wurde der Quarzwiderstand der Quarzbrenner einer Straßenlampe verwendet, zusammen mit einem 2000 W Heizlüfter als Vorwiderstand (siehe Würstchendose mit Ventilator).

Jetzt konnte es richtig losgehen - das Schreibwerk eines verschrotteten Cellatron D 4a wurde mit dem Computer gekoppelt. Über dieses Schreibwerk sind sowohl Eingaben als auch Ausgaben möglich. Hiermit war schon eine wesentlich effektivere Programmierung machbar. Mittels eines Reassemblers konnten die Programme auch im Assembler-Code ausgedruckt werden.

Als Sackgasse der Evolution dieses Rechners erwies sich die Kopplung mit einem Texas Instruments Taschenrechner. Dieser diente als Eingabetastatur, Anzeige und "Coprozessor". Diese Ankopplung wurde später wieder entfernt und durch eine alfanumerische Tastatur ersetzt.

Die erste nützliche Anwendung des Computers war Textbearbeitung. Tippfehler konnten im Speicher korrigiert werden und anschließend war die fehlerfreie Ausgabe einer Schreibmaschinenseite möglich. Damit konnte meine Frau ihre Heimarbeit wesentlich leichter erledigen als mit einer einfachen Schreibmaschine.

Später konnten Programme und Texte auf Kassette abgespeichert werden (modifiziertes Cassettenlaufwerk eines Sternrecorders im eigens dafür angefertigten Holzgehäuse). Bis dahin waren lediglich 6 KB staatischer RAM im Spiel.

Mit 8 Schaltkreisen aus dem Westen (64 KB dyn. RAM) kam der Durchbruch. Jetzt konnte ein alter Fernseher (Betrieb über Trenntrafo) zu einem Monitor umfunktioniert werden und mit einer alfanumerischen Tastatur war ich zumindest bei der Eingabe nicht mehr von dem ratternden Schreibwerk abhängig. Der Bildwiederholspeicher ist im Bereich des dan. RAM angelegt. Prozessor und Bildspeichersteuerung greifen verzahnt so auf den RAM zu, dass der Prozessor nicht gebremst wird. Den Refresh erledigt die Bildspeichersteuerung, so dass Schrittbetrieb wieterhin möglich bleibt.

Jetzt war es auch an der Zeit, sich als Möbeltischler zu beweisen und einen ergonomischen und für die Gerätschaften maßgeschneiderten Computerschreibtisch zu bauen.

Eine weitere praktische und erträgliche Anwendung war das Einstellen von Druckmodulen für Paralleldrucker. Hierzu diente der Ständer mit Messuhr. Diese elektromechanischen Baugruppenmüssen sehr genau justiert sein, um richtig zu funktionieren. Mit Hilfe dieser Vorrichtung ist das möglich. Der Druckhammer wird vom Computer angesteuert und schlägt auf einen Piezzo (aus einem Gasanzünder). Der dadurch erzeugte elektrische Impuls wird durch den Computer ausgewertet und Flugzeit sowie Anschlagintensität des Druckhammers wurden auf dem Bildschirm und akustisch angezeigt.

Zuletzt wurde der Eigenbau-Computer bis 1989 zur Fehlersuche bei DDR-Heimcomputern KC85 verwendet. Hierzu diente der Adapter zur BUS-Ankopplung an den KC85.

Natürlich war für dieses Bastelei ein Oszillograph notwendig. Jede neu gekaufte Steckeinheit funktionierte zunächst einmal nicht richtig. Aber es fand sich immer eine Lösung.

Technische Daten:
CPU U880, Taktfrequenz 2,5 MHz
64 kByte dan. RAM, 8 kByte stat. RAM, 8 kByte EPROM
4x PIO U855, 4x CTC U857

Software:
Betriebssystem, Bildanzeige auf Fernsehgerät, Tonausgabe
Ansteuerung Schreibwerk, Texteditor

Angepasste, nicht vollständig selbst entwickelte Programme:
EPROM-Programmierung, Kassetten Ein-/Ausgabe

Reassembler, Assembler, Basicinterpreter
Schachprogramm, weitere Spiele

Mittelbach, Juni 1998

Josef Putschli

Lernspielzeug

 

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